Knüppels Klientin
1. Kapitel. Knüppels Klientin. Als Fritz Knüppel am jenem trüben Dezembertage gegen elf Uhr vormittags bei uns erschien, wunderten wir uns über sein schäbig-elegantes Kostüm genau so sehr wie über seine strahlende Miene. Fritz Knüppel ist von jeher ein erlesener Pechvogel gewesen. Seine vielfachen Unternehmungen endeten regelmäßig vor der Strafkammer, und wenn an diesem seltsamen Gescheiterten überhaupt irgend etwas anzuerkennen war, so war’s lediglich die durch nichts zu erschütternde Ausdauer, mit der er nach Absitzung einiger Monate Freiquartier stets wieder den großen Hochstapler zu spielen suchte. Er wohnte seit langem in unserer Nähe, wo er ein kleines Häuschen, ererbt von ehrlichen Eltern, sein eigen nannte und Garten und Haus, auch anerkennenswert, musterhaft in Ordnung hielt, falls er eben nicht gerade gezwungen war, sein dürftiges Heim und seine beiden Papageien unserem Schutze anzuvertrauen, was leider regelmäßig jedes Jahr geschah. Knüppel hatte seine betrübliche Laufbahn als »Stift« bei einem Rechtsanwalt begonnen und hier eine solche Vorliebe für noch unbenutzte Briefmarken und fremde Manteltaschen bewiesen, daß die hohe Behörde ihn in eine Fürsorgeanstalt steckte, aus der Fritze schließlich »gänzlich ausgekocht« entlassen wurde und sofort ein pompöses Darlehnsvermittlungsbüros nach berühmten Mustern eröffnete, was ihm die ersten drei Monate Freiquartier eintrug.