Erstes Kapitel
Natürlich konnte der alte Amende nicht wie die andern Menschen zur polnischen Vorstadt hinunterlaufen, um dem Einzug des neuen Postvorstehers zuzusehen, obwohl er gern gewußt hätte, was das für Leute sind. Seine Frau aber trat schon aus der Tür, die schwarze Mantille umgenommen, die schutenartige Haube auf dem Kopf, und sogar an den Handschuhen knöpfte sie die letzten Knöpfe zu. Der rote Sonnenschirm unter ihrem Arm fuhr bei der Bewegung der Hände heftig nach rechts und nach links. Der Alte wußte natürlich, wo Ernestine hinwollte. Aber sie sagte, daß sie nur frische Luft schnappen ginge, etwa an den See hinunter. Der Gohlungsee wurde nämlich gerade abgelassen, und es gab dort immer Interessantes zu sehen: den Bau der Schleuse, die die Zuflüsse regulieren sollte, und die Baggermaschine (die neue Firma Schichau in Elbing hatte sie geliefert), die durch den Wassergrund hindurch einen Abzugsgraben aushob. Diese Arbeiten standen im Mittelpunkt des Stadtgesprächs, und die Gohlunger gingen hinunter, um zuzuschauen, denn die Trockenlegung des Sees bedeutete für sie nicht mehr und nicht weniger als den Anschluß an die neue Zeit. Alle Gemeinwesen rührten sich, die Städte nahmen zu, die Konkurrenz war groß. Man mußte jetzt anfangen zu rechnen. Was nutzte der See, der an die zwanzig Hufen besten Weidegrunds bedeckte! Wenn man Wasser wollte, hatte man auf der andern Seite der Stadt immer