Chapter

Erstes Kapitel

Am Abend des 30. August wurde gegen den bekannten Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Doktor Posolda ein Bombenattentat verübt. Gegen halb zehn Uhr, eben als der Hausmeister in Unterhosen und Schlappschuhen über das Vorhaus ging, um das Haustor zu schließen, tat es hinten, im dunkeln Winkel unter der Stiege, einen mörderischen Krach. Gleich darauf quoll eine dichte Rauchwolke über den Flur hin. Der Hausmeister Wenzel Lefenda hatte bei der Artillerie gedient und noch immer sang er beim Stiefelputzen das Lied vom heldenmütigen Kanonier Jawurek. Aber trotzdem erschrak er im ersten Augenblick so, daß er gegen die Wand taumelte und einen Schlapfen verlor. Dann aber faßte er sich und schnupperte in die Luft. Im Bereich des Scheines der Straßenlaternen wogte weißer Rauch ... ... Pulverrauch ...! Jemand riß die Türe der Hausmeisterwohnung auf und schrie: »Jeschisch Maria!« »Bring Licht, Alte!« brüllte Wenzel Lefenda, wütend, weil er vor Verwirrung und Eifer in das Stiegengeländer hineingerannt war. »Was is los? Was is g'schehn?« fragte eine Menge von Stimmen von oben herunter. Da stand in jedem Stockwerk ein Haufen von Menschen bestürzt, erregt, neugierig, schadenfroh. »Es hat sich jemand erschossen!« »Hausmeister, holen S' die Rettungsgesellschaft.« »Ich geh' hinunter, nachschauen,« sagte Herr Abendgeleit, der Reserveoffizier war. Aber Frau Ottilie packte ihn sogleich an der

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