Chapter

Erstes Kapitel

Es war um die Mittagsstunde eines Herbsttages im Jahre 1763. Auf dem Platze vor dem Eingang zu der großen und prächtigen, eben neuerbauten kaiserlichen Reitschule zu Wien, dicht neben der Burg, schritt langsam eine eigenthümliche Gestalt auf und ab. Es war ein noch junger Mann mit edlen, ja schönen Zügen, einer stark gewölbten, mehr breiten als hohen Stirn, einer gebogenen Nase, einem energisch ausgebildeten Kinn, das Alles dunkel gebräunt von Wind und Wetter. Starkes schwarzes Haar hing, gegen alle Mode der Zeit, in losen Locken wirr und wild auf seine breiten Schultern herab, die mit einem abgetragenen und geflickten Zwillichkittel bekleidet waren. Der alte breitrandige Hut, die engen ungarischen Beinkleider, die in alten zerrissenen Stiefeln endigten und sich mit Recht ein wenig lichtscheu darin zu verkriechen schienen, standen in bester Harmonie zu der Kleidung des Oberkörpers; aber auffallend war, daß in einem solchen dürftigen und verkommenen Anzuge eine so hochgewachsene, jugendlich kräftige und zur Arbeit tüchtige Gestalt steckte. Das Thor öffnete sich von Zeit zu Zeit; es ließ Cavaliere, die zu zweien oder dreien mit ihren Reitknechten, meist auf ausgezeichneten Thieren kamen, hinein; es ließ andre Gruppen heraus. Der Fremde im Zwillichkittel und Slowakenhut sah mit einem Ausdruck von Sorge forschend in die Züge der neu Ankommenden, suchte auch wohl ihren Reitknechten

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