Ein Langes Jahr
Es brauchte fast ein Jahr, bis Bo wieder Bo war.
Bos Eltern zogen die Scheidung durch. Bos Vater zog in eine kleine Wohnung fünfzehn Gehminuten entfernt. Bo begann, seine Wochen zu teilen: halb bei der Mutter, halb beim Vater. Er hasste es lange. Dann ertrug er es. Dann fand er langsam einen Weg, es alltäglich zu machen.
Pia versuchte nicht, klug zu sein. Sie kam einfach weiter. Sie lud Bo zu sich nach Hause ein, wenn das Haus seiner Mutter sich zu traurig anfühlte. Sie lud ihn zu Radtouren ein, wenn sie sehen konnte, dass er geweint hatte. Sie wusste nicht immer, was sie sagen sollte, aber sie hatte sehr früh gelernt, dass Nicht-Wissen-was-man-sagen-soll nicht dasselbe war wie Nichts-sagen-zu-müssen. Neben jemandem zu sitzen war eine Art Satz.
Bo hatte auch andere Freunde. Er hatte seine Cousins. Er hatte seine Fußballmannschaft. Er hatte Frau Tannen, die sehr freundlich zu ihm gewesen war. Er hatte eine kleine Therapeutin, eine ruhige Frau, die seine Mutter gefunden hatte. Keiner davon hatte Pia ersetzt. Keiner hatte Pia weniger wichtig gemacht. Sie hatten nur den kleinen Kreis von Menschen erweitert, der Bo trug.
Als Bo zwölf war und Pia zwölf war, aßen sie an einem Samstag bei Bos Mutter zu Mittag, und Bo sagte plötzlich:
„Pia. Danke."
„Wofür?"
„Für — den Anruf. Den ersten. Den Samstag danach. Alles. Du hast nicht versucht, etwas zu reparieren. Du bist einfach
