Der alte Narr (Teil 1)
»... ich habe in meinem ganzen Leben kein Glück gehabt ...« Während der Bittsteller diese Worte aussprach, blinzelte der Minister, denn er mußte jedesmal blinzeln, so oft vor seinen Augen eine Ungeschicklichkeit geschah. Ein kleiner Widerstand begann sich heftig in ihm zu regen. Habe ich vielleicht Glück gehabt? dachte er. Sind wir denn in einem Hasardspiel, wo jeder Dummkopf gewinnen kann? Er wendete den Kopf, sah in eine entfernte Ecke des Zimmers und dachte: dieser Mensch wird jetzt lauter Dinge sagen, mit denen er sich schadet. Der Bittsteller neigte sich ein wenig über den Schreibtisch des Ministers. Die weite Fläche dieses Schreibtisches lag vor ihm da wie ein Panorama; breitete sich vor ihm aus wie ein wohlgeordnetes, prunkvolles Reich. Er empfand eine heiße Sehnsucht und sagte mit klagender, Einlaß begehrender Stimme: »... es hat mir auch immer an Protektion gefehlt ... ja ...« Der Minister blinzelte. Das war ein falscher Ton. Er seufzte leise. Wieder einer, dachte er, dem es nicht einfällt, daß man sein Leben selber in beide Hände nehmen und vorwärts tragen muß. Kommt da mit einem Empfehlungsschreiben herein und erzählt mir, es fehle ihm an Protektion. Setzt sich hier in mein Zimmer und wartet, daß ich ihn jetzt irgendwohin bringe, wo es ihm gefällt. Lieber Gott, wie bequem sind doch diese Leute im Grund genommen. Die setzen sich einfach mitten ins Leben, mitten auf