Chapter

Die Verlobung

Fünf Minuten später klopfte der Doctor Schönfeld an die Thür des Wohnzimmers im unteren Stockwerke, in welchem Herr Lüders so eben damit beschäftigt war, seiner Frau die Nothwendigkeit auseinander zu setzen, für den heutigen Abend einen Lohndiener kommen zu lassen, der den Gästen in der Hausflur Mäntel und Ueberröcke abnehmen und bei der Aufwartung Hülfe leisten könnte. Der Doctor trat ein und stattete in so herzlicher Weise und mit so unverkennbarer Rührung seinen Glückwunsch ab, daß die würdigen Eheleute davon tief ergriffen waren. »Das Glück, sagt man, ist blind,« so schloß der Doctor seine Anrede, »aber, Gott sei Dank, es ist nicht immer blind, und in diesem Falle hat es mit offenen Augen aus Tausenden den Würdigsten erwählt, ihm seine Gaben zu spenden als einen geringen Ersatz für manche schwere Prüfung, für so hartes unverschuldetes Mißgeschick. Möge der Himmel – das ist mein aufrichtigster Wunsch – auch in anderer Hinsicht Ihre Wünsche erhören und Ihnen eine lange Reihe von Jahren hindurch den ungetrübten Genuß dessen bewahren, was er Ihnen heute bescheert hat.« Seine Stimme bebte bei den letzten Worten merklich und er fuhr sich mit dem Schnupftuch über die Augen, während man auf Herrn Lüders Bitte Platz nahm. »Und nun, verehrtester Herr Lüders,« begann der Doctor wieder, als er seiner Rührung einigermaßen Herr geworden, »erlauben Sie mir zuvörderst, eine kleine

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