Der Albatros - Vierter Band
Der folgende Tag verlief in dem Lüders'schen Hause noch stiller und trauriger als gewöhnlich. Der alte Mann hatte in Louisens Aeußerungen vom vorigen Abend doch nicht so ausschließlich, wie er gesagt, nur boshafte Einflüsterungen der Madame Pietschmann gesehen, die man keiner Aufmerksamkeit würdigen dürfe, denn der Ton, in welchem Louise gesprochen, und ihr ganzes Benehmen hatten eine so große innere Unruhe, ja Seelenangst verrathen, wie er sie noch nie an ihr wahrgenommen hatte; und nun, eben weil er seine Zweifel hatte unterdrücken wollen, stiegen sie nur um so mächtiger in ihm auf und ängstigten sein ohnehin sorgenbeladenes Herz. Sie ängstigten ihn um so mehr, je tiefer das Dunkel, je größer die Ungewißheit war, in welche sie sich bargen; aber wenn auch seine ruhelosen Gedanken im weiten Reiche der Möglichkeiten umherschweiften, einen annehmbaren Grund für den plötzlich gegen den Doctor gefaßten Verdacht Louisens zu suchen, er fand keinen und war mehrmals im Begriff, sie über diesen Punkt auszuforschen. Doch er fürchtete die Antwort noch mehr, als seine eigenen nagenden Zweifel, und schwieg. Manchmal suchte er auch wohl seine peinlichen Gedanken zu verjagen; doch es war vergeblich, der Doctor lag ihm fortwährend im Sinn, und Manches, was ihm in seinen Beziehungen zu diesem Manne bisher geringfügig erschienen war, gewann nun eine viel höhere Bedeutung und legte sich mit