Erstes Kapitel
Auf dem Jungfernstieg in Hamburg drängte sich eine vielköpfige Menge, und vor dem Alsterpavillon waren die Tische trotz der vorgerückten Jahreszeit dicht besetzt. Der Herbst schien mit dem Sommer ein Tauschgeschäft geschlossen zu haben. Hatte der heißeste Monat des Jahres, der August, eine Reihe von Tagen gebracht, an denen das Thermometer auf zehn oder gar acht Grad über Null herabging und das Barometer ständig Regen, der in Strömen floß, ›phrophezeite‹, so lachte Ausgang Oktober schon eine Woche lang die Sonne mit ausgelassener Sommerfreude vom lichtblauen Himmel herab und täuschte einen Spätsommer vor, der trotz der notwendig beschränkten Zeitdauer mit Jubel begrüßt und in heiterer Sorglosigkeit ausgenützt wurde. Die Damen hatten vielfach noch die Sommergewänder aus den Schränken hervorgeholt, und die Winterüberzieher der Herren hatten noch einmal dem leichten Sommerpaletot weichen müssen. Selbst die Sonnenschirme kamen vorübergehend wieder zu Ehren und belebten mit ihren freudigen Farben die herbstkahle Straße und den Strom der hin und wieder flutenden Menschenmenge. Die Binnenalster war belebt, und die schmucken Dampfer machten ein Geschäft wie im Sommer. Buntbewimpelte Boote schossen der Lombardsbrücke zu und unter dieser durch in die Außenalster, nach der Ulenhorst, nach Eppendorf und Harvestehude. Herbstlich waren allein die Bäume und Anlagen rings um die Alster herum