Der Acht-Grad-Kanal
»Die Depesche ist vor einer Stunde eingetroffen,« sagte Harald Harsts Mutter zu uns, als wir im Flur des Harstschen Hauses die Mäntel ablegten. Wir waren soeben aus Birkenwalde heimgekehrt. Harald hatte mir die Depesche gereicht. »Da — lies! Das klingt ja unglaublich,« meinte er. Ich hatte schnell das Telegramm überflogen. Es lautete: »Dampfer Mangrovia unserer Reederei mit 122 Singhalesen an Bord unbekannt wohin zu fraglos verbrecherischen Zwecken verschleppt. 5000 Pfund Unkostenvorschuß angewiesen an Deutsche Bank. Bitten Sie höflichst, sofort zu kommen. — Reederei Maxwell u. Plomp, Liverpool, Nr. 18.« »Die Sache dürfte sich in indischen Gewässern abgespielt haben. Ich denke, wir reisen nach Liverpool,« sagte Harst. Ich war von dieser Aussicht sehr wenig entzückt und nickte nur leicht mit dem Kopfe. In diesem Augenblick öffnete sich wieder die Tür und die Köchin brachte eine neue Depesche. »Etwas viel!« meinte Harald und öffnete das Telegramm. Ich beobachtete ihn. Sein schmales, frisches, bartloses Gesicht veränderte sich für einen Moment. Dann ließ er ein »So — so!« hören, warf mir die Depesche geschickt in den Schoß und sagte zu der Köchin: »Gute Malwine, bring’ mir doch mal das Kursbuch von meinem Schreibtisch.« »Was steht denn drin?« fragte mich Frau Harst neugierig. Ich laß laut vor: »Angelegenheit Mangrovia erledigt. Verbindlichst Maxwell u. Plomp, Liverpool,« »Na — ein