Der Abschiedsbrief
Der Chauffeur stand stumm, unbeweglich wartend neben dem eleganten Auto. In seinem gebräunten, energischen Gesicht bewegte sich kein Muskel. Nur die Augen schienen Leben zu haben, tiefliegende, stahlblaue Augen, in denen sich die ganze Energie des kraftvollen, schlankgewachsenen Mannes zu konzentrieren schien. Sie blickten zuweilen in das hell erleuchtete Vestibül hinein, zu dem Marmorstufen, mit dicken roten Teppichen belegt, hinaufführten, flogen aber dann immer wieder in brennender Unruhe zu den erleuchteten Fenstern im ersten Stock der vornehmen Villa empor, vor deren Portal er hielt. Sie gehörte dem bekannten Rechtsanwalt Doktor Friesen und lag inmitten eines großen Gartens, der bis zum See hinunterführte. Rechts hinter der Villa befand sich, von Bäumen und Sträuchern verborgen, die Garage, in der noch ein großer Tourenwagen stand, außer der jetzt am Portal haltenden Limousine, die Doktor Friesen nur zu seinen Fahrten in die Stadt benutzte. Immer ungeduldiger sah der Chauffeur zu den Fenstern hoch, aber endlich kamen drinnen im Vestibül zwei Gestalten die Treppe herunter. Es ging wie ein Ruck durch seine sehnige Gestalt, die wie die eines trainierten Sportsmannes wirkte. Seine Augen flammten auf, und die Muskeln seines Gesichts zuckten in verhaltener Erregung. Gleich darauf aber stand er in scheinbar gleichmütiger Haltung am Wagenschlag und wartete auf das Nähertreten der