Chapter

Erstes Buch

Jenseits der Schiffsbrücke, auf der Deutzer Seite, hockten die spielmüden Kinder auf der Kaimauer, drückten die heißen Gesichter gegen die Eisenstäbe und blickten durch die Umzäunung über den Strom hinweg auf das langgestreckte, halbmondförmige Köln. Ein paar verlorene Strählchen der Wintersonne glitzerten noch auf dem Wasserspiegel, suchten vergebens zueinander zu gelangen, verquirlten langsam in der Strömung und erloschen als glimmende Pünktchen... Ein silbriger Ton blieb in der Luft zurück. Jene überraschende Klarheit, die vor dem letzten Verdämmern noch einmal die Seele der Menschen wie die Seele der Natur erfüllt und alle Bilder in scharfen Konturen erstehen läßt. Gegiebelt und gezackt, die Türme des Domes und der Kirchen wie deutende Finger gen Himmel gestreckt, zog sich die altersgraue Silhouette Kölns den Rhein entlang. Es war still auf der breiten Wasserstraße. Die ungefügen Lastkähne, die Schlepperzüge und die hochbordigen Passagierdampfer lagen zusammengedrängt im Hafen wie eine müde Herde, hielten Wintersruh und warteten auf besseren Pegelstand. Nur die kleinen Lokalboote huschten schwalbenflink von Ufer zu Ufer, fühlten sich als alleinige Herren des Stromes, ließen den Rauch noch schwärzer hinter sich dreinqualmen und Dampfpfeife und Schiffsglocke doppelt hell und grell erklingen. Legten sie an, um neue Passagiere abzuwarten, so zog das Schweigen über den Strom und

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