I Deutschland und der Weltfriede
Je länger der Weltkrieg dauert, je schrecklichere Opfer er schon gefordert, desto dringender wird die Frage, was in dieser verwüstendsten, verbitterndsten geistigen und körperlichen Kraftmessung, welche das Menschengeschlecht je erlebt hat, Recht und Wahrheit, Vernunft und menschenwürdiges Streben sei. Einige – wohlmeinende Idealisten – sagen, daß alles vollständiger Wahnsinn sei, und beweisen in der weiteren Auseinandersetzung ihre eigene vollständige Unzulänglichkeit. Andere, und dies sind die meisten, sehen in dem Ganzen ein Intrigendrama, zusammengebraut von einem gewissen »Schurken« – der natürlich den wohlklingenden Namen »deutscher Militarismus« trägt, wenn das Urteil von der Ententeseite kommt, die, allgemein menschlich gesehen, bekanntlich heutzutage die Seite der Majorität ist. Unter wissenschaftlichem Gesichtspunkte haben wir hier den charakteristischen Zug, daß man die tiefsten weltgeschichtlichen Gründe der Katastrophe und ihre völkerpsychologische Notwendigkeit nicht sehen will. Gleichwie Sir Edward Grey versichert man z. B., daß sich der Weltfriede hätte bewahren lassen, wenn nur Deutschland ihm in seinem berühmten Konferenzvorschlage während der diplomatischen Krise im Juli-August 1914 größeres Entgegenkommen gezeigt hätte. Deutschland habe den Krieg gewollt – weil es nicht auf diesen oder jenen Vorschlag oder auf alles Beliebige eingegangen sei, um den Frieden