Chapter

Zweiter Band

Fünf Jahre sind verflossen. Aengsberga stand umgeben von aller Pracht des Sommers. Die Vögel sangen und die Fluren grünten. Auf der Veranda saßen zwei junge Männer, der Doktor der Medizin, David Waldner, und sein Bruder Georg, jetzt Bergingenieur, im Gespräch mit einander begriffen. »Wie Alles verändert ist, und wir nicht zum Mindesten,« äußerte David und betrachtete die Thurmspitzen von Haraldshof, welche man über die Gipfel der Bäume herüberschimmern sah. »Man hat ja das alte Schloß dort reparirt,« setzte er nach einer Weile hinzu. »Ja, seitdem der Eigenthümer nicht mehr dort wohnt,« antwortete Georg, »ist das Gebäude dem Aeußern nach geputzt worden, so daß, wenn der Oberst einmal stirbt, Broolind, als dessen gesetzlicher Erbe, Alles in dem ausgezeichnetstem Zustande erhält.« »Gesetzlicher Erbe,« wiederholte David mit einem bittern Lächeln. »Ihr Beide, du und Mama, habt mir davon geschrieben; aber ich habe gleichwohl nur eine undeutliche Vorstellung davon, wie man Dagmar das Recht auf das Fideikommiß streitig machen kann. Es würde mich deßhalb sehr interessiren, ein klares Bild von den Verhältnissen zu bekommen. Du, der du Disponent auf dem Hüttenwerk bist, und während der Zeit, da ich im Auslande lebte, täglich und stündlich mit den Björnstams in Berührung kamst, mußt auch von Allem Kunde haben, was sich zugetragen hat.« »Ich will dir mittheilen, was ich weiß,« sagte Georg,

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