1. Eine Despotin
Detektivinspektor Edward Dalbam hatte uns morgens im Continental-Hotel in Agra besucht und uns das Ergebnis seiner Nachforschungen nach dem flüchtigen Agraer Kaufmann John Barring mitgeteilt, der uns vorgestern nacht ein Stück außerhalb der Stadt in einem Grottentempel hatte unschädlich machen wollen, um zu verhüten, daß wir seine Schandtaten aufdeckten. Dalbam war recht niedergeschlagen gewesen und hatte zum Schluß gesagt: »Lieber Harst, wenn Sie nicht helfen, John Barring einzufangen, werden wir ihn nie vor Gericht stellen können.« Harald Harst, der im Zimmer auf und ab ging, blieb jetzt vor Dalbam stehen. »Lieber alter Dalbam,« meinte er, »da werden dann wohl Schraut und ich einspringen müssen. — Der Chauffeur, der zusammen mit Barring entflohen ist, heißt also Timar Bondri ist Inder, 28 Jahre alt, der Religion nach Hindu und —« Es hatte geklopft — sehr energisch. Auf Haralds etwas unwilliges »Herein!« wurde die Tür mit einem Ruck aufgestoßen und unseren erstaunten Blicken zeigte sich eine grauhaarige Dame von so grimmen, eigenartigen Zügen, daß Harald der ältlichen, ganz in Grau gekleideten Besucherin vor Ueberraschung mit einem Anflug eines belustigten Lächelns in das rote, schmale Gesicht starrte, auf dessen scharfer Wippnase ein goldener Kneifer sehr schief und verwegen saß. »Lady Gulbrar,« platzte die spindeldürre Dame heraus. »Zum Teufel — was stieren Sie mich so an?!