Das Wunder in Holzschuhen
»Lisiseppa, habet Glück im Holz! Gott segne Euern Helmli!« Das dürre, magere Holzweib klappert am Bruderklaus vorbei mit einer leeren Hürde auf dem Rücken, und ihr Kleiner schwingt einen Gertel, womit man das zähe Staudwerk blank durchhaut. Sie verneigen sich. Wilhelmli gibt dem Bruder das Kusshändchen und pfeift und jubelt weiter. Spurlos versinken die Zwei bald darauf im Schatten und Getöse der Schlucht. Niklaus atmet auf. Nun stört niemand mehr. Am frühen Nachmittag im Juli, so zwischen eins und zwei, gibt es auf Erden keinen schönern Platz als die Wiese im Ranft, die wie ein mit Gold und Smaragd bestreuter kleiner schmaler Teppich zum Abgrund hinunterfällt. Diese Wiese ist so klein, aber leuchtet auch so unglaubhaft schön in Gelb und Grün, dass man sie wohl für einen Zitronenfalter halten könnte, der sich am Abhang niederliess und von dem man fürchtet, dass er jetzt, jetzt ... wieder auf und davon fliegt. Doch nein, dies Stücklein Herrlichkeit bleibt. Die Sonne steht scheitelrecht über ihr, so dass von den paar Bäumen die Schatten nicht grosstun dürfen, sondern sich demütig wie ein Wurm um den Stamm zusammenringeln. Licht, Lächeln, traumhaftes Seligsein regiert. Wie aus Höflichkeit, nein, vielmehr aus einem Takt ihrer Seelen rauscht die Melchaa leiser und melodischer unten vorbei, und lösen die Stirnen des Gebirges ihre Runzeln und bekommen etwas Weiches und Duftiges wie in