1. Kapitel
Eine glutheiße Tropennacht … Der Mond am Himmel als matte Sichel, wie hinter feinen Schleiern … Schleier, — — Dunstmassen, die die Inseln und Eilande nördlich von Ceylon wie in dünnen Rauch hüllten …: Tropennebel, vom Nachtwind irgendwoher herbeigeweht … Brandung schäumte an einsamen Inselhütten, an versteckten Riffen … Und in den an- und abschwellenden Wogen zwischen zweien dieser Inseln die Köpfe zweier Schwimmer … Köpfe, auf die mit Bindfaden je ein Bündel geschnürt war, wie ein unförmiger Turban aus gelber Ölleinwand. Ruhig und gleichmäßig arbeiteten die Schwimmer sich vorwärts … Hob eine Welle sie empor, so spähten sie rundum nach den Hyänen des Meeres, nach den Rückenflossen gefährlicher Haie … Aber nur Seetangstücke und zuweilen ein grüner Strauch belebten die nächtliche Meeresoberfläche … So strebten die Schwimmer der großen, kahlen Sandinsel zu … Potanur hieß sie bei den Eingeborenen … Auf den Seekarten hatte sie keinen Namen, denn niemand hatte je ein Interesse gehabt, dieses öde Eiland, auf dem kaum ein paar Büsche kläglich ihr Dasein fristeten, irgendwie näher zu bezeichnen. Potanur … Das war dem Sprachschatze der Singhalesen, der schlanken Kinder des sonnigen Ceylon, entnommen und bedeutete »Die Insel Nichts« … — Immerhin ganz charakteristisch für diese kahlen Dünen, kahlen Hügel, kahlen Ufer: Die Insel, auf der nichts gedeiht! Nach Potanur schwammen die Männer mit