Kapitel I
Claude ging gerade am Hôtel de Ville1 vorbei, und von der Turmuhr schlug es zwei Uhr morgens, als das Gewitter losbrach. Als Künstler, der Zeit zum Umherschlendern hatte, war er verliebt in das nächtliche Paris, und er hatte sich in dieser brennendheißen Julinacht beim Herumbummeln in den Markthallen verweilt. Jäh fielen die Tropfen, so reichlich, so dicht, daß er anfing zu rennen und mit schlotterigen Beinen bestürzt den Quai de la Grève entlanggaloppierte. Aber zornig darüber, daß er so außer Atem geriet, blieb er bei der Pont LouisPhilippe stehen: er fand diese Angst vor dem Wasser dumm; und in der dichten Finsternis ging er unter dem Peitschen des Platzregens, der die Gaslaternen ertränkte, langsam mit baumelnden Händen über die Brücke. Übrigens hatte er nur noch ein paar Schritte zu gehen. Als er über den Quai de Bourbon auf die Ile SaintLouis2 einbog, beleuchtete ein greller Blitz die gerade und ebene Linie der alten, vornehmen Häuser, die sich längs der Seine am Rande des schmalen Fahrdamms aneinanderreihten. Der Widerschein setzte die Scheiben der hohen Fenster, die keine Jalousien hatten, in Brand, man sah die Großartigkeit und Traurigkeit der altertümlichen Fassaden, sehr deutlich waren Einzelheiten zu erkennen, ein steinerner Balkon, das Geländer eines Altans, das gemeißelte Blumengewinde an einer Giebelwand. Hier hatte der Maler sein Atelier, oben unter dem Dach des