Das weiße Eiland
Der in Hamburg beheimatete Frachtdampfer „Konsul Herling“ hatte in New York eine Ladung von allerlei Gütern für die Stadt Reykjavik auf Island erhalten und am 6. Juni 1907 die Ausreise angetreten, nachdem Kapitän Svendsen, ein geborener Holsteiner, ausnahmsweise noch auf Bitten eines guten Bekannten die beiden Söhne eines unlängst nach Island ausgewanderten Deutschamerikaners, die bisher in New York eine deutsche Schule besucht hatten, als Fahrgäste gegen ein geringes Passagiergeld angenommen hatte. Die Brüder Kemper, vierzehn und fünfzehn Jahre alt, waren muntere, aufgeweckte Burschen, die sich sehr bald bei der ganzen Besatzung des Dampfers beliebt zu machen verstanden, da sie keine Arbeit scheuten und überall mit zugriffen, wo es etwas zu tun gab. Dieser Betätigungsdrang war sicherlich ein Erbteil ihres rührigen, nur etwas unstäten Vaters, der jetzt als Maschinentechniker in Reykjavik bei einer dortigen elektrischen Kraftanlage eine voraussichtlich dauernde, gutbezahlte Anstellung gefunden hatte. Die Reise nach Island, der Insel der heißen Quellen und Vulkane, wie man sie zu nennen pflegt, ist in den ersten Monaten der warmen Jahreszeit recht gefährlich und zwar wegen der zahlreichen Eisberge, die dann von dem Nordpolarmeere her auf der Wanderung nach Süden begriffen sind und den Schiffen leicht verhängnisvoll werden können. Schon am vierten Tage der Reise begegnete der