Das Weihnachtsmärchen des fünfzigsten Regiments
Dieses Weihnachtsmärchen von den toten Soldaten las ich am Heiligen Abend bei der Christfeier der fünften Kompagnie vor dem tannenbekränzten Altar der Dorfkirche von D., wo wir den Heiligen Abend feierten. Unsere schweren Geschütze dröhnten dazu eine nachdenkliche Begleitung. Im Schiff der Kirche stand die Kompagnie um drei lange, reichgedeckte und kerzengeschmückte Gabentische. Vor dem Altar flimmerten mächtige Weihnachtsbäume und warfen ihren Flackerschein über die dunklen Granatrisse und Blutflecken an Wand und Decke des französischen Kirchleins. Am Weihnachtsmorgen rückten wir wieder in Feuerstellung. W. F. Ein junger Bauer, dem sein Vater keine Scholle eigenen Bodens hat vererben können, hatte sich ein paar Acker Landes zur Bewirtschaftung gepachtet. Aber als er sich mit seinem fleißigen Weibe im Hochsommer anschickte, die erste schöne Ernte einzubringen, rüstete der Kaiser einen gewaltigen Krieg gegen räuberische Feinde, die seine Grenzen im Osten und Westen tückisch bedrohten. Und er rief auch den jungen Bauern unter seine Fahnen. Da wurde der Bauer Soldat. Ohne Murren folgte er dem Rufe, der an die wehrfähigen Söhne des Landes erging, und ließ sich in den grauen Rock seines Königs einkleiden. Ohne viel Worte schied er von Frau und Kind. Das junge Weib küßte unter Tränen die Waffen des Scheidenden, und das unmündige Knäblein brachte in seinen ungeschickten dicken