Das Haus Nr. 48
Der Juni 1921 brachte für Neuyork bereits so starke Hitze, daß viele Neuyorker schon Mitte Juni ihre Sommervillen in der Umgegend aufsuchten. In einem dreistöckigen Hause der Rulbornstraße, einem schmalen, älteren Gebäude, wo in jeder Etage nur eine Partei wohnte, ging es in der Nacht vom 17. zum 18. Juni recht lebhaft in der ersten Etage zu. Hier hauste der Beamte der Staatsdruckerei Edward Gemmerton mit seiner etwa gleich alten, vierzigjährigen Gattin. Das Ehepaar war kinderlos und hielt sich keine Bedienung, was in Neuyork auch nur sehr reiche Leute tun, und Gemmertons waren nicht reich. In der besagten Nacht arbeitete Edward Gemmerton gegen zwölf Uhr noch an seinem Schreibtisch. Seine Gattin war längst zu Bett gegangen. Der fleißige Gemmerton suchte sein Einkommen dadurch aufzubessern, daß er für Kaufleute und andere Gewerbetreibende die Bücher in Ordnung hielt. Sein Arbeitszimmer lag nach dem Hofe hinaus. Er hatte die beiden Fenster weit geöffnet, um die etwas kühlere Nachtluft hineinzulassen. Sein Schreibtisch stand zwischen den beiden Fenstern und wurde durch eine elektrische Stehlampe beleuchtet. Gemmerton war ein hagerer, bartloser Mann von stark verknöchertem Wesen, ein Büromensch durch und durch, nebenbei sehr fromm. Er gehörte einer der vielen religiösen Sekten an, von denen es in Amerika weit mehr gibt, als man ahnt. Gemmerton schrieb und rechnete eifrig. Gestern