stand am Kopfende der großen Tafel, hob den silbernen Kelch mit Jungfrauenblut und wollte einen Trinkspruch ausbringen, als er plötzlich von innen mit hellem weißen Licht zu strahlen begann. Und immer stärker strahlte es von seinem Herzen her, er rührte sich nicht und stöhnte nur leise, und schließlich platzte der Meister, und stinkende schwarze Flocken sammelten sich in der Luft und ließen sich auf der weiß gekalkten Wand hinter seinem Thronsessel nieder. Wie alle, die dabei waren, habe ich den Text, der sich daraus bildete, noch vor Augen:
»Meine Kinder, das Ende ist nahe. Fünfhundertfünfzig Jahre bin ich auf Erden gewandelt als der, der ich war und sein durfte. Doch ich habe versagt, und nun ist meine Zeit um – und die eure, die meiner Nachfahren, begrenzt. Findet mein Vermächtnis und erfüllt es, und euch steht eine glorreiche Zeit bevor. Findet ihr es nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre, ist es euer aller Verderben!«
Von Hartmann berichtete in der gebotenen Kürze, aber doch mit spannungsreichen und bewegenden Worten von der lange Zeit vergeblichen Suche der fünfzig Auserwählten. Unterstützt vom Rat mit modernsten Recherchemethoden und mancherlei Ratschlägen streiften sie nach Draculas Tod Monat um Monat, Jahr um Jahr durch die Welt, durchsuchten alle seine Wohnorte und Ruhestätten auf der Suche nach seinem Vermächtnis. Doch ein böser Fluch schien sie zu verfolgen: Jeden Monat starb einer von ihnen den endgültigen Tod, immer an einer von Draculas Heimstätten, stets auf unerklärliche Weise. Im Herbst dieses Jahres war nur noch von Hartmann als letzter der fünfzig übrig, und der Rat beratschlagte, ob es sinnvoll sei, eine neue Truppe aufzustellen. Dann hörte man nichts mehr von diesem letzten unserer Agenten, bis er sich vor wenigen Tagen meldete. Ich überlasse