Chapter

Das verschwundene Schriftstück

Eines Tages sitze ich auf meinem Bureau«, begann der alte Advokat, »da stürmt, dem Schreiber voraus, der ihn anmelden sollte, ein junger Mensch herein.« »Kann ich Sie einen Augenblick unter vier Augen sprechen, Herr Doktor?« beginnt er in der größten Aufregung, ohne zu bemerken, daß mein Schreiber sich schon wieder verzogen hat. »Es ist eine Sache von der größten Wichtigkeit, es handelt sich um meine ganze Existenz —« »Entschuldigen Sie, mein Herr, wenn ich Sie unterbreche«, bemerkte ich erstaunt, »Aber es wird sich doch empfehlen, vorne anzufangen. Darf ich Sie aus diesem Grund um Ihren werten Namen bitten?« Der junge Mann war in sichtlicher Verlegenheit. Er tat mir leid; aber ich kann nun einmal die Leute nicht so aufgeregt sehen! Ich finde, daß man nichts dabei gewinnt, wenn man sich überhastet, und daß der Verstand sich nur in der Ruhe richtig betätigt. Habe ich da nicht recht?« Der junge Mann, ein hübscher Kerl mit ehrlichen Augen, entschuldigt sich freimütig und beginnt: »Mein Name ist Frank. Ich bin Unterbeamter im Kriegsministerium. Gestern abend wurde mir ein Schriftstück zur Anfertigung einer Kopie übergeben. Da ich damit nicht fertig wurde, schloß ich beide in meinem Schranke ein. Als sich nun heute morgen die Arbeit vollenden wollte und den Schrank aufschloß, lag die angefangene Kopie noch an ihrem Platze, das Schriftstück selbst aber war verschwunden.« »Ein

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