Der Abstieg
Der Eingang lag hinter einem Wasserfall, der so laut donnerte, dass Elias sein eigenes Atmen nicht hören konnte. Er hatte drei Tage gebraucht, um ihn zu finden, drei Tage durch Geröllfelder und über Grate, die so schmal waren, dass er auf allen vieren kriechen musste. Aber die Karte hatte nicht gelogen — hinter dem Wasser öffnete sich ein Tunnel, dessen Wände im schwachen Licht seiner Laterne glitzerten wie ein Sternenhimmel unter der Erde.
Je tiefer er stieg, desto wärmer wurde die Luft, und desto deutlicher wurde das Gefühl, erwartet zu werden. Die Wände des Tunnels waren nicht roh — sie waren geglättet, verziert mit Reliefs, die Szenen zeigten, die Elias nicht verstand: Menschen, die mit Steinen sprachen; Bäume, die unter der Erde wuchsen; ein König, der seine Krone in einen Abgrund warf und dafür etwas empfing, das heller leuchtete als Gold.
Nach Stunden des Abstiegs öffnete sich der Tunnel zu einer Höhle, so groß, dass Elias die Decke nicht sehen konnte. Aber er konnte etwas anderes sehen: Licht. Nicht das Licht seiner Laterne, sondern ein eigenes, sanftes Leuchten, das von den Wänden und dem Boden und der Luft selbst auszugehen schien. Und in diesem Licht, weit entfernt und doch deutlich erkennbar, die Umrisse einer Stadt — Türme und Brücken und Plätze, still und vollkommen, als hätte jemand eine ganze Zivilisation in Bernstein konserviert und unter die Berge gelegt,
