Chapter

Erstes Kapitel

Es war am Ostersonntag, als in Leiria bekannt wurde, daß José Miguéis, der Pfarrer der Kathedrale, am frühen Morgen einem Schlagfluß erlegen sei. Er war ein vollblütiger, wohlbeleibter Mann gewesen und hatte bei den Geistlichen seines Sprengels für einen Erzvielfraß gegolten. Man erzählte sich sonderbare Geschichten über seine Gefräßigkeit. Der Apotheker Carlos, der ihn verabscheute, pflegte, wenn der Pfarrer nach dem Mittagsschläfchen vollgestopft und mit hochrotem Gesicht ausging, zu sagen: »Jetzt geht die Riesenschlange verdauen. Eines Tages wird sie platzen!« Nun war sie wirklich geplatzt … Am vorhergehenden Abend, nach einer reichlichen Fischmahlzeit, war der Pfarrer gestorben, während gegenüber, in der Wohnung des Doktors Godinho, der Geburtstag des Hausherrn mit lärmendem Polkatanz gefeiert wurde. Niemand trug Trauer um ihn, und nur wenig Volk wohnte seiner Beerdigung bei. Durch sein bäurisches Wesen hatte er sich allgemein mißliebig gemacht. Nicht nur seine Manieren, auch seine Fäuste, seine rauhe Stimme, seine langen, ungepflegten Haare und seine rohen Worte waren die eines Tagelöhners gewesen. Niemals waren ihm die Herzen der frommen Weiblichkeit zugeflogen: er rülpste im Beichtstuhl; und da er früher immer auf dem Lande und im Gebirge gewirkt hatte, fehlte ihm jegliches Verständnis für verfeinertes religiöses Gefühl. So hatte er gleich von Anfang an fast alle

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