Das unerforschte Land
23. Dezember. Ich habe eben meinen Sohn begraben, meinen armen hübschen Jungen, auf den ich so stolz war, und mein Herz ist mir gebrochen. Es ist sehr hart, sein einziges Kind zu verlieren, doch Gottes Wille geschehe. Wer bin ich, daß ich klagen sollte? Das große Schicksalsrad rollt vorwärts und zermalmt uns alle, die einen früher, die andern später – es kommt wirklich nicht darauf an wann, da schließlich doch die Reihe an uns gelangt! Mein armer Harry! Daß er so früh von mir scheiden mußte – und grade als sich ihm das Leben erschloß. Er hatte sich in der Klinik so ausgezeichnet, seine letzte Prüfung mit allen Ehren bestanden, und ich war so stolz darauf, weit stolzer als er selbst. Leider ließ er sich nicht abhalten, auch in jenes Blatternhospital zu gehen. Er fürchte sich nicht vor den Blattern, schrieb er mir, und wolle die Krankheit gründlich studieren. Jetzt hat sie ihn dahingerafft, und alt, grau, verwittert bin ich allein zurückgeblieben, um seinen Verlust zu beklagen. Weder Kind noch Kegel trösten mich. Ich hätte ihn retten können – ich besitze ja für uns beide Geld genug, ich sagte mir aber: ›Nein, der Junge soll selbst sein Brot verdienen. Er soll arbeiten, damit er einst 2 Freude an der Ruhe habe!‹ Doch ach, er ist vor der Arbeit zur Ruhe gegangen. O, mein Sohn, mein Sohn! Wir begruben ihn heute nachmittag in dem Schatten des grauen alten Kirchturms, der in unserm