Gillette
Gegen Ende des Jahres 1612, an einem Kalten Dezembermorgen, ging ein junger, sehr ärmlich gekleideter Mann vor der Türe eines in der Rue des Grands-Augustins gelegenen Hauses auf und ab. Nachdem er lange Zeit mit der Unentschlossenheit eines Liebhabers, der es nicht wagt, vor seine erste Geliebte zu treten, so zugänglich sie auch sein mag, hin und her gegangen war, überschritt er endlich die Schwelle und fragte, ob Meister Franz Porbus daheim sei. Auf den bejahenden Bescheid einer alten Frau, die eben damit beschäftigt war, einen Raum des Untergeschosses auszufegen, stieg der junge Mann langsam die Treppen hinauf, von Stufe zu Stufe stehenbleibend, gleich einem Neuling am Hofe, der sich über den Empfang, den ihm der König bereiten wird, beunruhigt. Als er oben auf der Wendeltreppe angekommen war, machte er einen Augenblick auf dem Treppenabsatz halt, unschlüssig, ob er den grotesken Türklopfer ergreifen sollte, der die Türe des Ateliers zierte, dahinter der Maler Heinrichs IV., den Maria von Medici um Rubens' willen aufgegeben hatte, bei der Arbeit sein mochte. Der junge Mann empfand jene tiefe Erregung, die wohl das Herz der großen Künstler hat erzittern lassen, wenn sie, in der Vollkraft ihrer Jugend und ihrer Liebe zur Kunst, in die Nähe eines genialen Menschen oder eines großen Kunstwerkes kamen. In allen menschlichen Empfindungen gibt es eine erste Blüte, gezeugt von einer