Vorrede
Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen von Karl Immermann. 1828. Berlin und Stuttgart, Verlag von W. Spemann [1887] Der gründliche und einsichtsvolle Beurteiler meiner dramatischen Arbeiten im 35. Bande der Wiener Jahrbücher der Litteratur tadelt unter anderem an mir, daß ich meine Dichtungen ohne Vorrede in die Welt schicke. Er leitet diese Schweigsamkeit aus einem gewissen Stolze ab, und findet in letzterem auch zum Teil den Grund, warum meine Dramen untheatralisch seien, indem er meint, ich habe sie mit Willen außerhalb der Berechnung für die Bühne gestellt. Ich muß gestehen, daß diese Argumentation mir in der sonst so schätzbaren Arbeit nicht erfreulich gewesen ist. Mich dünkt, es ist sehr mißlich, in die ästhetische Würdigung solche halbmoralische Betrachtungen zu verflechten, da sie in der Regel unsicher, doch dem gewöhnlichen Sinne zusagend, sehr leicht das allgemeine Urteil über den Dichter verrücken können. Ich fühle unter diesen Umständen mich veranlaßt, das Trauerspiel von der Treue der Tyroler, welches ich jetzt meinen Landsleuten übergebe, mit einem Vorworte zu versehen. Über das Ästhetische, dessen Verständnis und Würdigung muß ich bei meiner Sitte, zu schweigen, verharren. Der Dichter wird immer im stillen eine Meinung über sein Werk haben, und in vielen Fällen selbst am meisten geeignet sein, dasselbe auszulegen; wenn er sich aber vor dem Publiko, deutend mit