Erstes Kapitel
Es wäre eine Nacht geworden wie jede andre, wenn nicht zwei einschneidende Ereignisse ihren Gang gestört hätten. Vier von den fünf Tischen im Großen Salon waren schon um zehn Uhr besetzt, doch auch der Blaue Salon, wo die Spitzen der Behörden, ein hoher Adel und die Charakterköpfe aus Finanz und Industrie zu verkehren pflegten, war diesmal zu früher Stunde gut frequentiert. Dieses blaue Zimmer stand unter Champagnerzwang, öffnete nur geschlossenen Gesellschaften von einer gewissen Rangs- und Steuerklasse aufwärts seine Pforten und war mit Gobelins sowie einer raffinierten Spiegelvorrichtung ausgestattet, welche, wie das Gerücht ging, der gemeinschaftlichen Durchführung vornehmerer Laster dienlich sein sollte. Die Gäste des Großen Salons allerdings kannten das blaue Zimmer meist nur vom Hörensagen, war ja doch selbst im allgemeinen Raum der Konsum einer Flasche sauren Weines mit beträchtlichen Kosten verbunden. Da aber die Verabreichung von Getränk nicht als wesentliche Bestimmung des Hauses zu gelten hatte, bekamen nähere Freunde im Großen Salon nach Maßgabe ihrer Kopfzahl bestimmte Kollektionen von Kaffee oder Schnaps serviert. Nichts sei damit gegen den Großen Salon gesagt. Er war durchaus feudal mit seiner goldbeladenen Renaissance, den gekrönten Spiegeln, roten Samtvorhängen und dem eisglatten intarsierten Tanzparkett. Wir haben es ja hier mit einem Etablissement zu tun,