Das Tintenfass aus Achat - 1. Kapitel: Der Tombolagewinn.
1. Kapitel. Der Tombolagewinn. Es hatte einst in dem Schaufenster eines Spezialgeschäfts in der Lützowstraße in Berlin W. gestanden. Es war ein sehr elegantes Tintenfaß, Riesenformat, eiförmig, die beiden Tintenbehälter mit wundervollen Bronzedeckeln, und zwischen ihnen eine künstlerisch geschnitzte kleine Buddhafigur, der Gott feist und dick und behaglich grinsend in sitzender Stellung. Zu dem Tintenfaß gehörten ein Löscher, ein Brieföffner, eine Aschenschale und ein Federbehälter, ein Kästchen, — alles aus kupferfarbenem, gemasertem Achat, — also eine ganze Schreibtischgarnitur. Achat, wie gesagt. Daher auch der Preis: tausendzweihundert Mark. — Die Geschichte dieses Schreibzeuges will ich hier erzählen. Sie ist erzählenswert. Sie begann für uns so: Es war ein trüber, häßlicher Januartag. Zwei Tage Winter, leichte Schneedecke, klarer Himmel, — da waren wir beide, Harald und ich, vor- und nachmittags in den Grunewald hinausgepilgert, hatten unsere Freude an den vielen Schwarzdrosseln in dem sumpfigen, zugefrorenen Gelände hinter dem Grunewaldsee und an den emsig pochenden Spechten gehabt … Der dritte Tag: Regen!! Der Schnee schmolz dahin, die Straßen schimmerten schmutzig, und — — Harald meinte mittags (obwohl wir noch nicht lange von einer Auslandsreise zurückgekehrt waren), daß Berlin bei Regen einfach trostlos wirke und daß er sich bereits wieder nach Indien zurücksehne …