Erste Abteilung
In einer der anmuthigsten Gegenden von Spanien, unweit der Stadt Sevilla, lag auf einer üppigen, blumigen Anhöhe unter den sinnreichsten, zierlichsten Anlagen, die das Auge des Wanderers überraschten, der Landsitz des alten Grafen de Vellamare, ehemals die stolzeste Burg spanischer Rittersleute. Das Schloß selbst, ein fast unzerstörbares Meisterstück alter Bauart, hob sich mit seinen vier mächtigen Thürmen über die dunkeln Kastanienwälder in die Höhe der Wolken so majestätisch empor, daß es von den Bewohnern naher und entfernter Gegend der Stolz des Thales genannt wurde. Auf der Rückseite des Schlosses thürmte sich der Hügel zu einem hohen, von hinten unbesteigbaren Felsen. Von der vordern Seite war das Gebäude mit einem Walle umschanzt, der einen tiefen Graben in sich einschloß; und ein nahe am Fuße des Hügels vorbeirauschender Strom machte es vollends sicher vor jedem Angriffe von Außen. Doch war das Rauhe der altritterlichen Bauart des Schlosses selbst durch liebliche Anlagen in der Umgebung einigermaßen gemildert worden. Die schattigsten Lustgänge von Ahornbäumen schlängelten sich drei- und viermal am Hügel hinauf, Blumen aus den fernsten Ländern prangten wohlduftend im Garten und unter den Fenstern; und ein mächtiger Springbrunnen, den die Kunst vom Strome über den Hügel bis in die Mitte des Schloßhofes geleitet hatte, belebte mit seinem ewigen Sprudeln die Einsamkeit des