Das Testament von Rochambeau
Das Fräulein von Rochambeau war im Alter von vierundsiebzig Jahren dahingeschieden. Ihre sterblichen Überreste waren prächtig aufgebahrt in der großen Halle des Schlosses Rochambeau. Der hohe, gewölbte Raum mit den dunklen, holzverkleideten Wänden, an denen ringsum allerlei Waffen und Wappen von der ruhmreichen Vergangenheit eines alten Adelsgeschlechtes zeugten, bot einen wunderbar feierlichen und stimmungsvollen Anblick. Der mit Blumen umgebene und von hohen Wachskerzen beleuchtete Sargaufbau erhob sich, von schönen Palmen überragt, in der Mitte des Raumes. Die flackernden Lichter schienen einiges Leben auf das kleine wachsgelbe Greisinnenangesicht zu zaubern, aus dem der Tod all die Falten und Fältchen gestrichen hatte, die das Leben hineingegraben. Am Fußende des Sarges war ein schwarzverhangener, mit Papieren bedeckter Tisch aufgestellt. Schwere Silberleuchter standen darauf, in denen gleichfalls Wachskerzen brannten, denn es war ein trüber Tag, und in die Halle fiel wenig Tageslicht, weil vor den Fenstern ein überdachtes Tor ihm den Eintritt verwehrte. An diesem Tisch saß Anwalt Grillon, der langjährige Berater und Geschäftsführer des Fräulein von Rochambeau. Ihm gegenüber, vor den in Reihen sitzenden Trauergästen, die Fräulein von Rochambeau die letzte Ehre erweisen wollten, hatten auf zwei Sesseln zwei junge Menschen Platz genommen, ein etwa dreißigjähriger Mann und