Das Testament des Verruckten
Ich war als junger Assessor bei einem Land- und Stadtgerichte angestellt, das also auch einen großen Gerichtsbezirk hatte. Besonders nach einer Seite hin lief dieser wie in einen langen schmalen Aermel aus, dessen äußerstes Ende vom Sitze des Gerichts an fünf Meilen entfernt war. An jenem äußersten Ende lag ein großes Dorf im Gebirge, Tiefendorf geheißen. Der Weg dahin führte auch meilenweit nur durch das Gebirge. Eines Tages erhielt ich eine schleunige Directorialverfügung, in dem Dorfe Tiefendorf ein gerichtliches Testament aufzunehmen Ich machte mich mit dem mir als Protokollführer beigegebenen Secretair des Gerichts in einem Wagen sofort auf den Weg. Der Secretair Hommel war ein schon etwas ältliches, kleines, eben so neugieriges, als gern plauderndes Männchen. Wir hatten kaum die Hochalpen des entsetzlichen Straßenpflasters des kleinen Städtchens, die unseren Wagen und uns in ihm auf- und niederwarfen, daß uns Hören und Sehen verging, hinter uns, als der kleine Secretair eine Unterredung begann, die mich doch bald mehr, als die gewöhnliche Wagenunterhaltung eines neugierigen, plauderhaften Männchens in Anspruch nehmen, die mich sogar spannen sollte. „Ich bin heute sehr neugierig, Herr Assessor.“ „So, Herr Secretair!“ „Ich bin überhaupt sehr neugierig, wie unser heutiges Geschäft ablaufen wird.“ „Wieso, Herr Secretair?“ „Es wird wohl nicht viel daraus werden. Aber was geht