Chapter

Die Verschwörung im Hotel

Erzählung nach einer wahren Begebenheit von Walter Kabel-Langfuhr. Auf der Veranda von William Pickers Hotel „Zum Präsidenten“ saßen an einem Vormittag des Frühjahrs 1905 zwei Männer hinter einer dickbauchigen Flasche und starrten schweigend vor sich hin in die von Wagenspuren aufgewühlte Straße, die sich zwischen den primitiven, roh aus Brettern und Latten zusammengezimmerten Häusern von Neuparis hindurchschlängelte. Als jetzt der eine seinen zerbeulten Blechbecher aufs neue füllte, behielt er die Flasche noch einen Augenblick in der Hand und suchte das schmutziggraue Etikett zu entziffern, auf dem noch einige Buchstaben zu lesen waren. Und diese verrieten, daß die Flasche einst in den Kellern einer der ersten französischen Sektfirmen gelagert hatte. Doch diese besseren Tage waren für das edle Fräulein längst dahin –, geradeso wie für die beiden stillen Zecher, die aus ihr mit Will Pickers selbstgebrautem Whisky, einem Aufguß von billigstem Spiritus über Pfeffer und etwas Zucker, ihre anspruchslosen Kehlen anfeuchteten und deren Äußeres jeden Landgendarm in Deutschland zu einer möglichst eingehenden Prüfung der Legitimationspapiere veranlaßt haben würde. Daß Fred Burns in seinem einst schwarz gewesenen, nunmehr grünlich schillernden, zerrissenen Gehrock und Harry Wilson mit dem ebenso schäbigen braunen Samtanzug hier in Neuparis zu den Honoratioren gehörten, lag an den etwas

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