Das stolze Mädchen
Eine Skizze in Schwarz und Weiß Das erste Mal sah ich Miß Sheene an einem Sonnabend nachmittag in Hurlingham. Der Anlaß war denkwürdig für mich und ist mir daher im Gedächtnis geblieben; denn ich war noch nie im Klub gewesen, und es war mein achtzehnter Geburtstag. Offen gestanden, ging ich noch nicht in Gesellschaft, sondern war nur ein linkisches Cheltenhamer Schulmädchen, und verbrachte meine Ferien bei einer lebenslustigen Tante, die dabei blieb, mich als kleines Kind zu behandeln. Ich wurde daher auch niemand von den liebenswürdigen Herren und Damen vorgestellt, die Tante Sophie begrüßten und sich neben uns am Rande des Poloplatzes niederließen. Glücklicherweise störte das Gefühl, kaltgestellt zu sein, mich durchaus nicht, ja meine stumme Rolle war mir lieber, da sie mir Zeit ließ, mich umzusehen und das neue, aufregende Schauspiel zu erfassen. Die heranbrausenden Poloponies, deren Hufe ich mit heimlichem Entzücken gegen die Schranke dröhnen hörte – die Zurufe der Reiter – die wilden Weisen der Zigeunerkapelle – und nicht zum wenigsten die geschniegelte Menge. Während sie an mir vorüberflutete, unterhielt ich mich damit, mir Geschichten zu einzelnen Gesichtern auszudenken. So beschäftigte ich mich lebhaft mit einem stattlichen Paare: der Mann so stramm, sonnengebräunt und soldatisch, das Mädchen mit einem Gesicht wie eine wilde Rose. Noch fesselnder erschien mir eine andre