1. Kapitel: Die Flucht
Doktor Melcher stand etwas abseits von dem Schwarm der anderen Passagiere an der Reling und hatte die Zähne schmerzhaft fest in die Unterlippe vergraben. Eine ohnmächtige Wut kochte in ihm. Er war gewiß ein friedliebender, ruhiger Mensch. Aber was er in den letzten Tagen, seit der lange, dürre Engländer Patterson ihm frech ins Gesicht gesagt hatte, daß sein peruanischer Ausweis gefälscht, und er sicherlich ein Deutscher sei, an kleinen Demütigungen und versteckten Drohungen auszustehen gehabt hatte, war selbst für ihn zuviel gewesen. Jetzt nun, wo soeben ein englischer Kreuzer aus dem Morgennebel aufgetaucht war und den alten, schmutzigen Passagierdampfer „Präsidento Maraso“ durch sehr energische Signale zum Halten gezwungen hatte, lag auf den Gesichtern all dieser Fahrgäste, die sämtlich feindlichen Staaten angehörten, ein schadenfrohes Lächeln. Man freute sich darüber, daß dieser angebliche Peruaner mit dem schwarz gefärbten Bart- und Kopfhaar niemals Hongkong erreichen würde, von wo er sich wahrscheinlich durchzuschmuggeln gehofft hatte. Herbert Melcher wußte, daß seine Schicksalsstunde geschlagen hatte. Gewiß, der „Präsidento Maraso“ war ein peruanisches, also ein neutrales Schiff. Aber was kümmerten sich die Engländer darum! Der alte Kapitän, ein geborener Holländer, war nicht der Mann dazu, ihn zu schützen, obwohl er den Doktor bisher sehr anständig behandelt hatte.