Die Schöpfung von Haydn
Das Sonntagsblatt – Nro. 66 Sonntag, den 3. April 1808 Die Freunde der Musik, welche in diesem Winter, durch die Concerte im Saal der Universität, um die Unterhaltung des gebildeten Publicums dieser Kaiserstadt sich ein ausgezeichnetes Verdienst erwarben, haben am vorigen Sonntage ihre letzte Versammlung durch ein Fest gefeyert, das einzig in seiner Art genannt werden kann. Es wurde Haydn's Meisterstück, die Schöpfung, ausgeführt, mit italienischem Text, wie es hier noch nie öffentlich gehört worden ist. Die Unternehmer hatten den achtzigjährigen Haydn zu dieser Aufführung eingeladen, und der ehrwürdige Greis, welcher seit zwey Jahren seine Wohnung nicht verlassen hatte, nahm die Einladung an, vielleicht nur, weil er nicht wußte, daß dabey eine öffentliche Huldigung seiner Verdienste Statt finden sollte. – Um die Mittagsstunde war die Gesellschaft versammelt; sie hatte sich zahlreicher und glänzender als jemahls eingefunden. Wer in Wien Anspruch auf Geschmack macht, und Achtung für die Kunst empfindet, suchte gegenwärtig zu seyn. In der Mitte des Saales sah man eine dreyfache Reihe Stühle für unsere ersten Musiker bestimmt, unter denen sich die Herren Salieri, van Bethoven, Hummel (einer der vorzüglichsten Schüler Haydn's), Gyrowetz und Guiliani, der treffliche Meister der Guitare, befanden. Auch einige Dichter, v. Birkenstock, Collin, Carpani, bemerkte man in den Reihen. In