Erster Teil
Und dies ist unser Schlafzimmer, sagte Lebrecht die Thür aufmachend; wie gefällt es Dir? Entzückend! sagte Aennchen. Sie war einen Moment auf der Schwelle stehen geblieben und hatte ihre Blicke durch das Gemach schweifen lassen. Dann war sie mit ein paar raschen Schritten am Kamin und hatte sich in einen der Fauteuils geworfen. Mein Gott, wie ich müde bin! Lebrecht biß sich auf die Lippen, und sein schönes Gesicht, das noch eben so erwartungsvoll gelächelt hatte, verfinsterte sich. Aennchen konnte es nicht sehen, denn sie hatte die Füße auf das Messinggitter gestemmt und den Kopf weit zurückgelehnt; aber sie streckte, als er jetzt zum zweiten Male – leise auftretend, trotz des dicken Brüsseler Teppichs – an ihr vorüberging, die Hand aus und sagte in bittendem Ton: Sei mir nicht bös, Lebrecht! Er hatte die schmale Hand ergriffen und an seine Lippen geführt: Weshalb sollte ich Dir bös sein? murmelte er – sehr undeutlich, denn das Herz schlug ihm bis in die Kehle. Wenn sie seine Hand festhielt, wenn aus ihren Augen ein liebevoller Strahl leuchtete, wenn ihre Lippen sich zum Kusse wölbten – dann wollte er es ihr sagen! Aber die braunen Augen blieben müde; der reizende, leicht geöffnete Mund zuckte nicht; die Hand glitt aus der seinen lässig herab auf den Schooß. Seine Kniee, die sich schon gebogen hatten, wurden wieder straff; er wandte sich ab, nur mit äußerster Anstrengung den