Der Junge im Koffer
Wir saßen auf dem Balkon, der zu unserem Wohnsalon im Hotel de Paris in Pondicherry gehörte. Harald Harst hatte mir soeben die Teetasse aufs neue gefüllt und sagte nun, indem er auf die im Sonnenlicht glitzernde, endlose Wasserfläche des Meerbusens von Bengalen deutete, wie der zwischen den Halbinseln Vorder- und Hinterindien liegende Teil des Indischen Ozeans genannt wird: »Bedauerst Du noch, lieber Schraut, bereits um ½ 7 Dein Bett verlassen zu haben? Ist dieser Morgen nicht herrlich! — Man sollte in den Tropen eigentlich stets mit Sonnenaufgang den Tag beginnen.« Wer Harst so kennt wie ich, der merkt jedoch auch, daß in diesen Lobpreisungen ein gewisses zuviel war, genau wie bei den Handbewegungen, die seine Worte begleiteten. Ich muß noch erwähnen, daß das Hotel de Paris nur durch die Strandpromenade mit ihren schmalen gärtnerischen Anlagen vom Meere getrennt ist und daß die Hotelterrasse unter unserem Balken sich bis dicht an die Promenade heranzog. Durch das Milchglasdach der Terrasse waren die Stämme mehrerer Fächerpalmen hindurchgeleitet, so daß die Palmenkronen den häßlichen Anblick des von Eisenschienen in kleine Quadrate geteilten Terrassendaches einigermaßen verhüllten. Harst deklamierte jetzt mit überlauter Stimme einen englischen Vers aus Miltons Verlorenem Paradies, lies plötzlich die Stimme sinken und fügte, noch immer im Versmaß des Vorausgegangenen, auf