Chapter

Die Klinge Im Amboss

Die Esse brannte seit drei Tagen ohne Unterbrechung, gefüttert mit Kohle aus den tiefen Minen von Kareth, wo das Gestein so alt war, dass es noch die Hitze der Erdentstehung in sich trug. Ava stand vor dem Amboss, die Arme schwarz vom Ruß, die Augen gerötet von Rauch und Schlafmangel, und betrachtete das Stück Metall, das sie geschmiedet hatte. Es war keine gewöhnliche Klinge. Das Erz war ihr von einem Wanderer gebracht worden, der keine Bezahlung verlangt hatte, nur ein Versprechen: „Schmiede sie bei Sonnenaufgang. Nur bei Sonnenaufgang." Sie hatte sich an die Anweisung gehalten, obwohl sie unsinnig schien. Jeden Morgen, wenn das erste Licht über die Berge kroch, hatte sie den Hammer gehoben und das Metall bearbeitet. Und jeden Morgen hatte das Erz auf eine Weise reagiert, die keinem metallurgischen Gesetz gehorchte — es bog sich dem Licht entgegen wie eine Pflanze, nahm die Farbe des Himmels an, sang unter dem Hammer in Tönen, die Ava im Brustbein spürte. Nun war die Klinge fertig, und sie leuchtete. Nicht wie glühender Stahl, sondern wie gefangenes Morgenlicht, golden und rosig und von einer Wärme, die nichts mit Temperatur zu tun hatte. Als Ava den Griff umschloss, durchfuhr sie ein Gefühl, als würde etwas in ihr einrasten, ein Schloss, zu dem sie den Schlüssel nie gesucht hatte, weil sie nicht gewusst hatte, dass es existierte.

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