Erstes Kapitel
Wenn man der ungeheuren Bewegung gedenkt, die in den zwanziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts ganz Deutschland ergriff und in der Geschichte unseres Volkes nicht ihresgleichen hat, so reizt ihre gewaltige Erscheinung zu dem Wunsche, sich ihre Ursachen und dauernden Triebkräfte in Kürze klarzumachen. Der Bauernkrieg war das blutige Ende jener großen Revolution. Was aber war ihr Anfang? Luthers über alle Maßen kühnes Auftreten und seine völlige Lossagung von Rom war es nicht. Wohl aber gab seine Lehre und sein Walten und Wirken mit Wort und Tat dem in allen Schichten des Volkes bereits gärenden und sich kundgebenden Drängen nach einer anderen Gestaltung der politischen und sozialen Zustände einen neuen, mächtigen Anstoß und fügte dem bisher überwiegenden nationalen Gedanken das die Gemüter noch viel tiefer erregende religiöse Element hinzu. Nacheinander erprobten erst die Fürsten, dann die Ritter und endlich die Bauern ihre Kraft, an dem zur Zeit Bestehenden zu rütteln und ihre staatsrechtliche Stellung oder ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Die anderen beiden Stände, die Geistlichen und die Bürger, wurden nur widerwillig in Mitleidenschaft gezogen. Die wenigsten von ihnen beteiligten sich an dem kriegerischen Werke aus eigenem Antrieb, die bei weitem meisten wurden erst durch die Ereignisse dazu gezwungen. Freilich hatten beide, die Kleriker und die Städter, am