1. Kapitel
Der Hafen von Neuyork wird nachts regelmäßig durch eine große Anzahl von Motorkuttern der Hafenpolizei bewacht, die unaufhörlich zwischen den ankernden und an den Kais vertäuten Seeschiffen hin und her fahren, um der gefährlichen Gilde der Hafenpiraten das Handwerk zu legen. Dies gelingt jedoch nur insofern, als man durch die gestrenge Ueberwachung den Dieben die Sache etwas erschwert. Völlig auszurotten sind diese Hafenpiraten ebenso wenig wie es möglich ist, alle Diebstähle zu vereiteln. Dazu ist der Hafen von Neuyork und die Gaunerzunft der Wasserbanditen zu schlau. An einem trüben, drückend warmen Juniabend gegen elf Uhr schaukelte auf den schmutzig gelbbraunen Wassern des Hudson Flusses, des Innenhafen der Riesenstadt, ein leeres, kleines Boot. Es schwamm mit der Strömung stromabwärts. Und doch wer genauer hinsah, merkte sehr gut, daß das Boot, obwohl leer, irgend einer unsichtbaren Gewalt gehorchte und schräg gegen die Strömung zuweilen nach dem rechten Ufer hin sich bewegte. Immerhin war diese seitliche Bewegung so gering, daß sie nicht auffallen konnte. Nur der Hafenpolizist Blendam, der vorn auf dem Polizeikutter Nr. 14 gestanden und das Boot zuerst bemerkt hatte, besaß so scharfe Augen, daß er schon nach kurzem Hinschaun dem Mann am Steuer von Nr. 14 zurief: »He, Klarson, dort treibt ein anscheinend leeres Boot. Halte mal darauf zu!« Klarson schob die Steuerpinne mehr