I
Die Morgensonne schien in ein in einem reizvoll altmodischen Stil eingerichtetes, mit hohen Möbeln und Büchern angefülltes Zimmer. Auf den Tischen standen bestaubte Flaschen und Retorten, auch physikalische Instrumente. Der Schreibtisch war bedeckt mit zahlreichem, wertvollem, aber unbenutztem Allerlei, und an den Fenstern hingen einst schöne, aber von der Sonne ihrer Farben fast entkleidete, grünseidene Gardinen. Niemand war darin; es schien überhaupt nicht mehr bewohnt zu werden; ein einsam ausgestorbener Raum, in dem einst ein stiller, emsiger Mensch gewaltet, den lange die Erde bedeckte. Das Gemach lag zur Rechten, nach dem Garten hinten, in einem weitläufigen Hause in dem großen, nordischen Dorfe Munke. – Es gehörte einem Arzte, dem Doktor de Fouqué, einem Manne, von dessen stummer Eigenart und abgeschlossenem Wesen, bei größter Hilfsbereitheit, zahlreiche Erzählungen im Umlauf waren. Ringsum in den Dorfschaften und auf den adeligen Gütern war er als Arzt beschäftigt. Er kam und ging mit seinem kurzen Schritt, schaute den Menschen mit scharfem Blick in die Augen und ordnete an, was geschehen solle. Selten vermochte man ihn zu halten: bei seiner ausgebreiteten Thätigkeit fehlte es ihm an Zeit; aber er war auch kein Mann, der an bloßem Schwatzen Gefallen fand. Er war klein, beweglich, kleidete sich stets schwarz mit blendend weißer Wäsche, besaß eine gelbliche, lederartige