1. Kapitel: Haustochter gesucht … Die Entscheidung fiel am 5
Januar, als Mathilde beim Fensterputzen von der Leiter stürzte und nur infolge ihrer Fettpolster glimpflich davonkam. Sie wiegt annähernd zweihundert und ist unter Mittelmaß. Es wurde also eine Anzeige eingerückt: Haustochter gesucht — und so weiter … An diesem Tage mußte die Erbsensuppe weggegossen werden, und Mathilde hatte verheulte Augen und sagte zu unserer ständigen Aufwartung, einer bescheidenen jüngeren Person: »Frau Lopitz, das wird nicht gut!« Sie sagte das im Flur, als wir vorübergingen. An demselben 5. Januar nachts zwölf Uhr ereignete sich in der Industriestadt M. jenes furchtbare Unglück, dem sechs sehr bekannte Persönlichkeiten der Farbenindustrie zum Opfer fielen, außerdem die beiden Chauffeure der Privatautos, in denen die Herren zu dreien gesessen hatten. Sie hatten in einer Weinkneipe stark gefeiert, auch die Chauffeure wurden nicht trocken gehalten, und bei dem leichten Schneetreiben waren die Autos, die dicht hintereinander fuhren, durch ein Versehen des vorderen Fahrers durch den Balkenzaun des Flußufers gerast, waren in den Fluß gefallen, hatten die dünne Eisdecke durchbrochen, und sämtliche Insassen ertranken. Die Straße war menschenleer gewesen, nur ein Lastauto einer Vorstadtbühne, das gerade Kulissen und ähnliches nach dem Lagerschuppen zurücktransportierte, befand sich in der Nähe und alarmierte die Polizei und die Feuerwehr. Dies lasen wir morgens