Chapter

I

Lieber Freund! Wir haben eine Zeitlang im öffentlichen Leben Seite an Seite gekämpft. Du wirst mit den Waffen in der Hand sterben; ich habe mich vom Schlachtfeld abgewandt. Es war Dir unlieb, aber Du ließest die Gründe, die mich dazu bestimmten, gelten und gabst mir recht. Tue das noch einmal, gib mir noch einmal recht. In einer ganz andern Sache. Unlängst hörte ich eine berühmte Schauspielerin zu einem großen Arzte sagen: «Sie müssen auch manchmal Komödie spielen.» Er antwortete: «Ja, aber wir spielen schlecht.» – Recht schlecht, nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe. Schon vor Wochen, als ich nach Wien fuhr, um meinen Arzt zu konsultieren, las ich es ihm vom Gesicht ab: Dir ist nicht zu helfen. Und neulich, da ich ihn wieder aufsuchte und ein schmerzstillendes Mittel von ihm verlangte, verriet mir seine Bereitwilligkeit, mich in die Kunst, ein Morphinist zu werden, einzuweihen, daß er die Gefahr einer zukünftigen Entwöhnungskur für ausgeschlossen hielt. Finita la commedia. – Eine Komödie war's übrigens nicht. Wir haben von meinen Verhältnissen nie gesprochen; Du weißt von meinem Privatleben nicht mehr als alle Welt, das heißt: was geschah; nicht, wie es geschah. Ich will Dir meine Geschichte erzählen, ich will eine Generalbeichte ablegen. Deiner Gerechtigkeit sicher, sehne ich mich nach Deiner Lossprechung. Ich bin im Jahre 1829 geboren auf unsrem Schlosse Niedernbach.

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