Vorwort
Hochgeehrter Herr Doktor! Die Gedichte, die ich herausgegeben habe, machen nur einen kleinen Band aus, und es sind vielleicht auch nicht die besten, die ich geschrieben habe, ich weiß es nicht. Später werde ich einmal andere Sammlungen zustande bringen, ich habe zahlreiche Verse liegen. Ich finde nämlich, daß es eine Unverschämtheit gegen die Leser ist, Entwürfe und lose poetische Skizzen als fertige Gedichte herauszugeben. Jeder Dichter weiß, daß Gedichte unter einem stärkeren oder schwächeren Druck der Stimmung geboren werden. Es summt ein Ton in uns, Farben leuchten auf, man fühlt, daß etwas in unserm Innern rieselt. Es kommt darauf an, wie lange dieser Gemütszustand dauert; ich habe es – in guten Augenblicken – erlebt, daß ich schlechterdings nicht einen Vers fertig bringe, bevor der nächste zuströmt; ich muß dann den halbfertigen Vers überspringen und mit einem neuen weiter unten auf dem Papier beginnen, ja oft steht nur eine einzelne Zeile hie und da, die nicht dem großen Strom mitgefolgt ist. Und dürfte ich dann diesen unvollkommenen Entwurf herausgeben? Es würde weder mich selbst noch die Leser zufriedenstellen. So kommt es, daß ich eine Menge Verse liegen habe, die nicht herausgegeben werden können, bevor die Form verbessert ist. Ich weiß nicht, wie die großen Lyriker arbeiten, bei denen vielleicht das Gedicht vollständig fertig und ohne Fehler im Stimmungsaugenblick