Chapter

1. Kapitel. Bärbel

Wo der Bergwald des Melzergrundes steil zur Höhe emporklettert, wo der Eulengrund ins Böhmerland hinüberführt, liegt im Talkessel zu Füßen der Schneekoppe das Gebirgsdorf Wolfshau. Als ob die Hand des Berggeistes Rübezahl willkürlich die Häuschen zwischen Matten und Waldungen über das Gelände ausgestreut habe, ist es in malerischer Unregelmäßigkeit eingebettet zwischen Bergtannen, Föhren und Lärchen. Keine Autohupe stört den Frieden des idyllischen Dörfchens, kaum Wagengeratter. Abseits von der großen Gebirgsstraße Krummhübel-Brückenberg träumt es unbewußt seiner Schönheit wie ein Kind, unberührt von dem fortschrittlichen Verkehr. Ein munterer Bergbach stürzt sich über Felsgestein und Geröll in den samtgrünen Grund, windet sich zwischen Wiesen und Waldungen durch das Örtchen. Da, wo der Bach das Birkengehölz umschlängelt, liegt ein bescheidenes Häuslein. Vier Stuben und die Küche im Erdgeschoß, ein Mansardenstübchen, ein paar Dachkammern, Ziegen- und Hühnerstall, das ist alles. Ein Dorfhäuschen wie alle andern. Und doch hat es etwas Besonderes, das kleine Haus. Das »Rosenhäusel« heißt es. Feuerrote Rankrosen umklettern es zur Sommerzeit bis hinauf zu dem braunen Schindeldach – eine wahre Pracht. Auch in dem Gärtchen vor dem Hause blüht es während des ganzen Sommers in üppiger Fülle, Rosen über Rosen. Mutter Kleinert hat eine glückliche Hand. Jeder Steckling, den sie setzt,

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