Erstes Kapitel
Der Invalide Meiners war ein Mann, der trotz seines lahmen Beines Tag und Nacht auf den Füßen war. Er hatte ein scharfes Auge auf die Kohl- und Rübendiebe. Und die Ströpper, die mit Schlingen und Schießeisen dem Wild nachstellten, hatten an ihm einen bösen Feind. So war er am 16. Januar schon im Morgengrauen unterwegs. Die »Kurze« zwischen den Zähnen, hustete und krächzte der Alte wie ein Rabe. Asthma und Zipperlein plagten ihn wechselweise. Doch das hinderte ihn nicht, früh und spät draußen zu sein. Manch einen von den Wandsbeker Taugenichtsen hatte er schon ins »Kaschott« gebracht, mochten die ihm auch zehnmal mit Rache und Tod drohen! »Den Düwel ook, wat hüt all wedder de Kraien grölen,« brummte er und wunderte sich, daß die schwarzen Vögel so früh schon zu Gange waren. Da sah er im trüben Licht, daß an einer brüchigen Stelle der Trift die Krähen auf etwas niederstießen und immer neue lärmend zuflogen. Meiners, der seine Langschäfter anhatte, zauderte nicht, er stieg über den Graben in die Wiese, über der noch der dicke Nebel lag. Fast immer allein, hatte er sich daran gewöhnt, seine Beobachtungen laut zu machen. »Wat'n Schitwetter! Keen' Hund möchte man rutjagen. Aber wat is dat bloßig? Dat seiht ja ut as 'n Mensch!« Immer näher an das Ungewisse herankommend, erkannte er schon Arm und Bein des im Sumpfwasser liegenden Mannes. Doch der Nebel, der in der Nacht das Vorland wie