Chapter

Das Prisma

An Rudolf Kosegarten in Urach (auf einer Postkarte) Lieber Herr Kosegarten, eben am Bahnhof fragt uns der Stations-Diener, ob wir einen Lodenmantel verloren hätten, es sei einer abgegeben worden. Ich bilde mir ein, daß es der von Ihnen vor einiger Zeit verlorene sei. Wenn Sie ihn besichtigen kommen, so holen Sie wohl zugleich Ihre Tabaks-Dose, die Sie, wie Sie inzwischen bemerkt haben werden, auf dem Malepart bei mir stehen ließen. Während des Fahrens geschrieben. Und zum letztenmal Lebewohl. E. An Freifrau Editha vom Bühel in Karlsruhe, Leiblstr. Liebe Baronin, Ihre gütigen Zeilen mit dem Wink auf den verlorenen Mantel-Kragen, deren Unsicherheit – infolge der Bahnfahrt – so angenehm die Unsicherheit einer Abschieds-Hand vortäuschen konnte, beglückten mich gestern. Ich habe daraufhin heute mit meiner Frau, die ohnehin Schafs-Wolle oben im Apfeleck kaufen wollte, einen Ausflug nach Fröschenthal gemacht, nach Malepart und zu Ihrer Schwägerin in Hubertus, aber davon erzähle ich Ihnen lieber auf andere Weise. Ich hoffe nämlich, Ende dieser Woche für einige Tage nach Karlsruhe zu kommen, um dort mit einer Münchner Freundin zusammenzutreffen. Wegen meines Abscheus vor Gasthöfen, Pensionen und allem Unwohnlichen dieser Art habe ich mich bei einer Freundin angemeldet, die in Vormberg, eine halbe Stunde von K., mit einem Gutsbesitzer verheiratet ist. Weil ich aber nicht weiß, ob ich

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