Kiato, der Mischling
Kapitän Berger, ein breitschultriger mittelgroßer Mann mit rotblondem Vollbart, stand auf der Kommandobrücke der „Viktoria“ und winkte seinen Kindern nochmals zu, die sich eben von ihm verabschiedet hatten, da der Küstendampfer in einer halben Stunde zu seiner gewöhnlichen Tour den Hafen von Hongkong verlassen wollte. Berger, ein geborener Hamburger, war Witwer und hing daher mit doppelt zärtlicher Liebe an seinem vierzehnjährigen Jungen und dem um zwei Jahre jüngeren Mädelchen. Jedesmal, wenn er nach achttägiger Erholung daheim wieder in See gehen mußte, wurde ihm der Abschied von den Seinen recht schwer. Auch jetzt schwenkte er noch so lange seine Mütze, bis die Kinder hinter einem der Kaispeicher verschwunden waren. Die „Viktoria“, die einem Reeder in Hongkong gehörte, war ein schon etwas altersschwacher Schraubendampfer, der sich aber noch immer sehr gut bezahlt machte. Bis Schanghai hinauf klapperte er alle Küstennester ab, nahm Fracht ein, was gerade vorkam, und beförderte auch Passagiere, zumeist freilich nur Farbige, da es auf dem Dampfer nur drei Kabinen gab, die sich zur Aufnahme von Europäern eigneten. Heute hatte die „Viktoria“ eine ausnahmsweise wertvolle Ladung an Bord und zwar Seidenballen, die an eine Firma nach Schanghai gingen, ferner verschiedene Stückgüter für einen kleinen Hafenplatz der Insel Formosa. Kapitän Berger wollte jetzt gerade die Trossen